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Archiv für März 2010

“Steuerfreiheit für Ingenieure!”, lautete der innovative wirtschaftspolitische Vorschlag eines Teilnehmers der BWL-Vorlesung am Montag. Reflexartig denkt man daran, dass ein solche Begünstigung dem klassischen Grundsatz der Steuergerechtigkeit widerspricht. Dies bedeutet, dass sich Steuern z. B. an der Höhe des Einkommens, aber nicht am Geschlecht, dem Alter oder der Berufsausbildung eines Steuerzahlers orientieren sollen.

Der internationale Standortwettbewerb, in dem Länder um die Gunst von Investoren und hochqualifizierten Arbeitskräften konkurrieren, fördert aber Ausnahmen. Ende 2003 hat die damalige konservative spanische Regierung ein Gesetz verabschiedet, wonach ausländische Spitzenkräfte, die von spanischen Firmen verpflichtet werden, für einen Zeitraum von sechs Jahren einen Höchstsatz von 25 statt 43 Prozent auf ihr Einkommen zahlen. Das Gesetz wurde schnell “Beckham-Gesetz” genannt, weil es rückwirkend zum 1. Juli 2003 galt. Das war der erste Arbeitstag von Englands Star David Beckham bei Real Madrid nach dessen Wechsel von Manchester United. Trotz starker Proteste (“Wenn dieses Gesetz abgeschafft wird, hat das Einfluss auf das Interesse am Fußball. Es gäbe weniger TV-Zuschauer, weniger Sponsoren, weniger Fans in den Stadien und damit geringere Steuereinnahmen für den Staat”, so der Chef des spanischen Fußballverbandes) wurde das Gesetz inzwischen abgeschafft. Wer allerdings wie Cristiano Ronaldo bis 2009 nach Spanien wechselte, genießt Bestandsschutz und profitiert weiter vom “Ley Beckham” (Links zu Berichten auf sueddeutsche.de und handelsblatt.de).

In Tschechien erhielten Industrieunternehmen bei Investitionen bis vor kurzem das Privileg so genannter “Steuerferien”. Unternehmensgewinne wurden nicht versteuert. In den vergangenen Jahren hat dieses System geholfen, bedeutende Auslandsinvestoren nach Tschechien zu locken, Toyota und Peugeot/Citroen oder Bosch (Link zu mehr Informationen).

“Steuerfreiheit für Ingenieure!”, ist übrigens nicht der einzige steuerpolitische Vorschlag, der zunächst recht exotisch klingt. Lesen Sie hier mehr über die US-Amerikaner Mankiw und Weinzierl, die fordern, dass größere Menschen höhere Steuern zahlen sollen als kleine (Per Mertesacker also mehr als Philipp Lahm).

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Weitreichende Systeminnovationen sind Etappenprozesse. Häufig sind Anwendungen im Militärbereich oder der Formel 1 Ausgangspunkte, wenn neue Technologien beginnen sich durchzusetzen.  Im Londoner Science Museum ist seit einem Jahr die Sonderausstellung “Fast Forward: 20 ways F1™ is changing our world” zu sehen. Sie läuft nur noch bis zum 5. April, aber die Museumscrew hat im Internet eine schöne Seite angelegt, auf der (fast) alle 20 Exponate dargestellt und erläutert werden (Link zur Übersichtsliste, für Erläuterungen auf die kleinen Fotos der Exponate klicken).

Die drei Fotos oben zeigen: (links) eine Kniebandage mit hydraulischem Stoßdämpfer. In F1-Rennern sorgen ähnliche Stoßdämpfer für eine maximale Bodenhaftung. Die Kniebandage wurde bereits von US Marines-Soldaten getestet, während sie stehend in Schnellbooten fahren. Dabei wirken im Sekundentakt Kräfte auf die Knie wie bei einem Sprung aus 2 1/2 m Höhe. Rechts sind Gummistiefel mit einer Sohle zu sehen, deren Profil und Material von F1-Regenreifen abgeguckt wurde. Bei einem siebenmonatigen Test in einer Tiernahrungsfabrik gab es keinen “Ausrutscher”. Auch für die neuartige Angelschnur in der Mitte lieferte die Formel 1 die Idee: Zwischen 1998 und 2008 mussten F1-Trockenreifen Profilrillen haben, um den “Grip” zu vermindern und die Fahrer zu einer weniger riskanten Fahrweise zu bewegen. Dieses Prinzip wird neuerdings auch für Angelschnüre genutzt: Das einst runde Profil der Schnur ist nun sternförmig. Damit kann es viel schneller ausgeworfen und auch wieder eingeholt werden, denn die Haftreibung auf der Rolle ist erheblich geringer (vgl. auch autobild.de).

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Real Madrid ist aus der Fußball-Champions League ausgeschieden. Superstar Cristiano Ronaldo hat zwar gegen Lyon ein Tor geschossen, aber das war zu wenig. Vielleicht lag’s auch an den Schuhen. Er spielte mit Schuhen des Modells “Mercurial Vapor Superfly”. Die haben zwar schon eine 7-lagige Karbon-Komposit-Außensohle, und das Obermaterial ist Dank der so genannten Flywire-Technologie superleicht und doch fantastisch flexibel (hier kann man sich das genauer anschauen). Es geht aber noch besser.

Vor wenigen Tagen stellte Hersteller Nike den neuen “Mercurial Vapor Superfly II” vor. Der FAZ-Redakteur Walter Wille hat darüber in “Technik und Motor” in der FAZ geschrieben und jetzt ist dieser Bericht auch online (Link zum Artikel). Überaus lesenwert, finde ich. Und wer das innovative lila-orange Farbdesign genauer bewundern will, findet hier ein paar hochaufgelöste Bilddateien.

Aus Sicht des Innovationsforschers sind die revolutionär neuen variablen Stollen eine Komponenteninnovation. Die “Architektur” des Stollen-Fußballschuhs wurde nicht verändert. Die Entwicklung des Stollen-Fußballschuhs – den vor Adi Dassler und dem “Wunder von Bern” schon ein Schuhmachermeister aus Bremen erfand – lässt sich dagegen eher als radikale Systeminnovation sehen.

Zu kaufen gibt’s den tollen Schuh übrigens ab dem 1. April (kein Scherz!) für 375 Euro.

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Am Mittwoch, den 28. April 2010, hält Dr. Willibert Schleuter an der Hochschule Ulm den Vortrag:
Innovationen, Netzwerke und Veränderungsprozesse in der Automobilelektronik am Beispiel Audi.
Beginn: 18.00 Uhr, Ort: Aula, Prittwitzstraße.

Dr. Schleuter war von 1996 bis 2008 Leiter der Elektrik/Elektronik-Entwicklung bei Audi in Ingolstadt (ca. 700 Mitarbeiter). In dieser Zeit hat er einschneidende Veränderungsprozesse im Unternehmen maßgeblich gestaltet und vorangetrieben. Im Herbst 2009 veröffentlichte er als Hauptautor das Buch “Die sieben Irrtümer des Change Managements. Und wie Sie sie vermeiden”, in dem er seine Erfahrungen bei Audi beschreibt und konkrete Empfehlungen für das Management von Veränderungsprozessen in Industriebetrieben gibt. Das Buch hat vom Bundesverband Deutscher Unternehmer (BVDU) den Zukunftspreis Managementliteratur als bestes Buch 2009 erhalten. In einem Interview, das 2007 in der Zeitschrift “FuE-Manager” erschien, erfährt man mehr über die Sichtweisen und auch den Werdegang von Dr. Schleuter (Link zum Interview).

Der Vortrag ist öffentlich. Nicht nur Studierende und Mitarbeiter der Hochschule Ulm sind herzlich eingeladen. Zu den Parkmöglichkeiten finden Sie hier Informationen.

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Startschuss

Steffen Wettengl | 05.03.2010 | Allgemein Keine Kommentare

Zum Sommersemester 2010 starte ich hier mit einem eigenen Blog. Herzlich willkommen! Schon 2008 gab es laut der Suchmaschine Technocrati annähernd 200 Millionen dieser “einfach zu handhabenden Medien zur Darstellung von Aspekten des eigenen Lebens und von Meinungen zu spezifischen Themen” (wikipedia.de). Jetzt also noch eins mehr.

Ich möchte in den nächsten 2 Jahren herausfinden, ob sich mit solch einem Blog meine Lehrveranstaltungen wirkungsvoll unterstützen lassen. Deshalb bin ich sehr gespannt auf Ihre ersten Reaktionen. Senden Sie mir bitte auch Verbesserungsvorschläge. Ich werde versuchen, hilfreiche Tipps im Rahmen meiner intellektuellen und IT-technischen Fähigkeiten umzusetzen.

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