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Archiv für Oktober 2010

Der Bursche mit dem Mikro in der Hand heißt Don McMillan. Er hat zwar einen Masterabschluss in Elektrotechnik von der renommierten Stanford University, aber inzwischen verdient er sein Geld nicht mehr wie Anfang der 80er Jahre als Computerchip-Designer, sondern als sogenannter Corporate Comedian. Sein humoristisches Spezialgebiet sind also die skurrilen Seiten des Büroalltags. Besonders gut kennt sich Don mit den Abgründen des täglichen Powerpoint-Wahnsinns aus. Auf seiner Internetseite “Technically Funny” findet man zahlreiche Videoclips und Blogeinträge zum Mitlachen und kann dabei gleich noch seine Englischkenntnisse verfeinern.

Zu meinen persönlichen Favoriten zählen:

  • “Life after Death by Powerpoint”-Videoclip. “Powerpoint can just suck the life out of you”, wie Don treffend feststellt. Und das gilt nicht nur für das Publikum, sondern auch den Powerpoint-Nutzer, der Stunden seines Lebens mit der Auswahl (vermeintlich) geeigneter Animationseffekte und passender Schriftarten vergeuden kann. Welche Farbkombinationen wirken auf dem Beamerbild so richtig scheußlich? Woher kommt der Begriff Bullet Point? Und wie lässt sich ein ohnehin schon hässliches Säulendiagramm noch weiter verunstalten? Die Antworten finden Sie im Original-Video, aber auch einer längeren 2010er-Version auf der Seite www.technicallyfunny.com/videos.htm.
  • “Powerpoint Kills”. Das vermuteten 2003 schon die Mitglieder des Untersuchungsausschusses, der sich mit dem Explosion der NASA-Raumfähre Columbia beschäftigte. Don McMillan hat für die These auch schlagende statistische Beweise. Zwischen 2003 und 2010 stiegen weltweit sowohl die Zahl der täglichen Powerpoint-Präsentationen als auch die Zahl der hungernden Kinder um jeweils den Faktor 3,5 – Korrelationsfaktor 1.
    O-Ton McMillan: “PowerPoint abuse causes world hunger. For every unnecessary, painfully boring, repetitive PowerPoint presentation we are forced to sit through – another child goes hungry. Why? Maybe because parents are TOO busy making new PowerPoint slides to feed their children! Or parents are tweaking their animations for the 36th time! Or adjusting their FONTS! Or adding 6 more bullet-points! All while their hungry child sit by waiting for Mommy or Daddy to walk away from the computer and feed them. STOP PowerPoint abuse NOW. STOP world hunger NOW. It’s not for us – it’s for the children”. Hier geht’s zu den Blogeinträgen auf technicallyfunny.com.
  • “The New Office Math”-Präsentation. Don McMillan beherrscht die Grundrechenarten in Management-Mathe und erläutert sie anhand von einfachen Beispielen.
    Engineer + Social Skills = ?
    Pharmaceutical Salesman – Suit = ?
    Manager – Sense of Humor = ?
    Hier erfahren Sie die Lösungen.

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Im Land der Kartelle und Kartellwächter

Steffen Wettengl | 16.10.2010 | BWL 1 Kommentar

Was haben Kaffee, Mehl und Brillengläser gemeinsam? Das Kartellamt hat bei allen drei Produkten aufgedeckt, dass in den vergangenen Jahren Kartelle durch Preisabsprachen die jeweiligen Käufer geschädigt haben. Johannes Ritter beschreibt in der FAZ sehr anschaulich die Arbeitsweise des Mehlkartells in Norddeutschland (“Zur Preisabsprache mal kurz nach Sylt”): Vertreter der am Kartell beteiligten Unternehmen trafen sich monatlich, um Angebotspreise und -mengen abzustimmen. Ging es in der sogenannten Kleinpackungsrunde um das Angebot von handelsüblichen 1-kg-Packungen, wurde zuerst oft über den Preis für Aldi und Lidl gesprochen. Trotz der großen Marktmacht der Discounter-Ketten gelang es dem Kartell der Mühlenbetriebe ein deutlich höheres Preisniveau durchzusetzen, als dies bei normalen Konkurrenzbeziehungen zwischen den Kartellbrüdern möglich gewesen wäre. Für den Kartellsünder VK Mühlen AG schätzt der frühere Vorstandsvorsitzende, dass der Konzern von 2001 bis 2008 durch die unerlaubten Absprachen vor Steuern mindestens 60 Millionen Euro mehr verdient haben dürfte.

Angesichts weiterer unerlaubter Kartelle, die in letzter Zeit aufgedeckt wurden (Badezimmerausstattung, Zement, Dachziegel, …) glaubt der Präsident des Bundeskartellamts nicht mehr daran, dass es noch Branchen gibt, die vor illegalen Absprachen gefeit sind (nachzulesen im FAZ-Artikel “Kartelle: Der organisierte Verbraucherbetrug” von Helmut Bünder). Früher gab es Kartelle meistens in Branchen mit einer kleinen Zahl von Herstellern austauschbarer Produkte. Typische Fälle waren das Zementkartell oder das Vitaminkartell der Chemieindustrie. Inzwischen rücken auch Konsumgüterhersteller und Handelsunternehmen ins Visier der Kartellwächter. Professor Justus Haucap liefert eine Begründung für diese Entwicklung: Auch im Handel und in den verbrauchernahen Branchen sinkt die Zahl der Anbieter (Trend zur Marktkonsolidierung bzw. erhöhter Anbieterkonzentration), und oligopolistische Strukturen sind der beste Nährboden für Kartelle.

Der schottische Ökonom Adam Smith hatte übrigens schon Ende des 18. Jahrhunderts wenig Vertrauen in die Redlichkeit vieler Geschäftsleute. Er schrieb 1776:

“Geschäftsleute des gleichen Gewerbes kommen selten … zusammen, ohne dass das Gespräch in einer Verschwörung gegen die Öffentlichkeit endet oder irgendein Plan ausgeheckt wird, wie man die Preise erhöhen kann.”

Diesem Treiben zum Schaden der Kunden schiebt in Deutschland das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) einen Riegel vor. Es  ist seit 1958 in Kraft und bestimmt in § 1 klipp und klar:

“Vereinbarungen zwischen Unternehmen, Beschlüsse von Unternehmensvereinigungen und aufeinander abgestimmte Verhaltensweisen, die eine Verhinderung, Einschränkung oder Verfälschung des Wettbewerbs bezwecken oder bewirken, sind verboten.”

Das GWB ist auch die rechtliche Grundlage für die Arbeit von zwei maßgeblichen Einrichtungen, die in Deutschland den freien Wettbewerb schützen sollen. Bundeskartellamt und Monopolkommission. Mit rund 300 Mitarbeitern verfolgt das Bundeskartellamt drei Aufgaben: (1) die Durchsetzung des Kartellverbots, (2) die Durchführung der Fusionskontrolle, wenn Unternehmen einen Zusammenschluss planen, sowie (3) die Aufsicht über marktbeherrschende Unternehmen. Das Amt verfügt über umfangreiche Ermittlungs- und Entscheidungsbefugnisse. Es kann zum Beispiel Zusammenschlüsse von Unternehmen verbieten, Auflagen erteilen und saftige Geldbußen verhängen. Den Mitgliedern des Brillenglaskartells wurden Bußgelder von 115 Millionen Euro aufgebrummt. Bei den kaffeeröstenden Kartellbrüdern waren es sogar 190 Millionen Euro. Wenn sich die EU-Kommission einschaltet, wird’s übrigens noch teurer. Den Highscore (Badscore?) halten die Fahrstuhl- und Rolltreppenhersteller, die 2007 zu Bußgeldzahlungen von 992 Millionen Euro verurteilt wurden. Als unabhängiges Beratergremium in Sachen Wettbewerbskontrolle gibt es in Deutschland noch die Monopolkommission. Von ihr kommt im 2-Jahres-Rhythmus ein Gutachten, in dem Konsolidierungsentwicklungen und deren Auswirkungen bewertet werden.

Das Bundeskartellamt wurde zuletzt personell aufgerüstet, um weiter erfolgreich Jagd auf Kartellsünder machen zu können. Außerdem wirken die Kronzeugen- und die Bonusregelung, die geständigen Kartellsündern reduzierte Strafen ermöglichen. An neuen Beispielen für aufgedeckte Kartelle dürfte also in Zukunft kein Mangel herrschen.

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1990: Ende der DDR-Planwirtschaft

Steffen Wettengl | 03.10.2010 | Allgemein, BWL 2 Kommentare
Produktion von Praktica-Kameras (1969) und Trabant-Pkw (1990)
Fotos: Technische Sammlungen Dresden, Martin Roemers

Heute jährt sich die Deutsche Wiedervereingung zum 20. Mal. Mit dem Untergang der DDR ging damals nicht nur ein diktatorisches Unrechtsregime zu Ende, sondern auch der für Deutschland erste und hoffentlich letzte planwirtschaftlich-kommunistische Großversuch. Drei wesentliche Charakteristika des DDR-Wirtschaftssystems waren:

  1. In der DDR-Wirtschaft wurde ein zentraler Volkswirtschaftsplan verfolgt. Die zentrale Staatliche Plankommission stellte nach sowjetischen Vorbild Fünfjahrespläne auf. Darin vorgegeben wurden z. B. Produktionsmengen, einzusetzende Ressourcen, einheitliche Preise und Löhne.
  2. Während für marktwirtschaftliche Unternehmen das Ziel der Gewinnmaximierung kennzeichnend ist, war das übergeordnete Ziel der DDR-Betriebe die mengenmäßige Planerfüllung. Man spricht auch von einer “Tonnenideologie”, bei der einfach mess- und summierbare Größen im Mittelpunkt stehen, ohne dass Nachfrage, Kundennutzen oder Qualität eine maßgebliche Rolle spielen.
  3. Es gab in der DDR kein Privateigentum an Produktionsmitteln. Der Begriff des volkseigenen Betriebs (VEB) zeigte dies deutlich an. Dagegen gehören die Vermögensgegenstände eines privatwirtschaftlichen Unternehmens dem begrenzten Kreis der Eigentümer. Bei einer Aktiengesellschaft sind dies z. B. die Aktionäre.

Mit diesen Festlegungen wurden die Weichen auf’s wirtschaftliche Abstellgleis gestellt. Ende der 1980er Jahre betrug die Wartezeit für einen Trabbi über 12 Jahre. Die Produktivität erreichte damals in der DDR nur noch ein Drittel des westdeutschen Niveaus. Zwar gibt es für den enormen Rückstand auch andere Ursachen als die unterschiedlichen Wirtschaftsordnungen in Ost und West. So war schon Anfang der 1950er Jahre die Produktivität in ostdeutschen Betrieben niedriger als in westdeutschen. Hinzu kamen dann aber die grundlegenden Informations-, Anreiz- und Innovationsprobleme der DDR-Planwirtschaft.

Einen entscheidenden Denkfehler der DDR-Führung bringt Professor Karl-Heinz Paqué (Universität Magdeburg) auf den Punkt:

“Worin bestand das Ziel der Planwirtschaft als Teil der sozialistischen Ideologie? Stark vereinfacht lautet die Antwort: Technik ohne Unternehmertum. Nicht vom Markt geleitete Unternehmer sollten Kurs und Geschwindigkeit des wirtschaftlichen Fortschritts in der Gesellschaft bestimmen, sondern allein politisch gesteuerte Techniker. [...] Es fällt eigentlich gar nicht schwer, sich die Radikalität und Tragweite einer Herrschaft der Technik ohne Unternehmertum vor Augen zu führen. Denn der Wohlstand einer Gesellschaft beruht auf nichts anderem als auf unternehmerisch umgesetzter Technik und technisch versiertem Unternehmertum. [...] Wachstum wurde [in der DDR] als eine Art Selbstläufer betrachtet, verursacht durch einen technischen Fortschritt, um dessen Fortgang, Geschwindigkeit und Umsetzung man sich nicht sorgen musste.” (Hervorhebung nicht im Original).

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Für unternehmerische Initiative zur Steigerung des persönlichen Wohlstands gab es im DDR-System keinen Platz. Schaut man zum Vergleich auf die Erfolgsgeschichten ideenreicher und energiegeladener Unternehmerpersönlichkeiten in Westdeutschland, wird deutlich, dass die DDR-Planwirtschaft scheitern musste.

In manchen Ländern der Erde laufen planwirtschaftlich-kommunistische Experimente dennoch weiter, seit jeweils rund 50 Jahren in Nordkorea und auf Kuba. Obwohl Hungersnöte mit Hunderttausenden Toten (Nordkorea) und allgegenwärtige Mangelwirtschaft (Kuba) mögliche Nachahmer abschrecken sollten, hat man sich unter Präsident Chávez vor ein paar Jahren auch in Venezuela auf den Weg in die sozialistische Planwirtschaft gemacht. Wer aber Zweifel an den verheerenden Wirkungen dieser Wirtschaftsordnung hat, sollte sich auf FAZ.NET durch die Fotoserie “Pjöngjang im August” von Reinhard Krause klicken.

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Und anschließend mit einem Glas Sekt (vielleicht mit dem “Schampus der Einheit” aus der Rotkäppchen-Kellerei) auf das Ende der DDR und ihres so ineffektiven wie ineffizienten Wirtschaftssystems anstoßen. Zum Wohl, Marktwirtschaft. Zum Wohl, vereinigtes Deutschland.

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