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Tag: Präsentationen/Präsentieren

Trau’ keinem Diagramm, …

Steffen Wettengl | 25.05.2012 | Allgemein, BWL, RaKo Keine Kommentare
Links: Brian Sullivan, CEO von Sky Deutschland (Foto: Sky)
Rechts: “Getuntes” Säulendiagramm • Zum Vergrößern anklicken

Das Schicksal von Sky Deutschland liegt mir am Herzen. Nein nein, ich bin weder Sky-Aktionär noch -Abonnent. Aber der Pay-TV-Sender liefert ein schönes Praxisbeispiel, um anhand realer Zahlen die Vorgehensweise bei einer Break-Even-Analyse darzustellen. Legt man die Werte der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) des Jahres 2010 zugrunde, bräuchte Sky rund 3,5 Millionen Abonnenten, um beim Betriebsergebnis* eine schwarze Null zu schaffen (siehe den Blog-Eintrag “Mr Sullivan braucht mindestens 3,5 Millionen Kunden”). 2011 hatte man im Jahresdurchschnitt aber nur 2,8 Millionen. Es überrascht also nicht, dass das vergangene Geschäftsjahr erneut mit einem negativen operativen Ergebnis* endete (-220 Mio Euro).

Im ersten Vierteljahr 2012 kletterte die Abonnentenzahl bei Sky D zwar auf über 3 Millionen. Die Earnings before Interest and Taxes (EBIT)* blieben aber tiefrot (-57 Mio Euro im 1. Quartal). Etwas rätselhaft, wie Brian Sullivan, der Chef von Sky Deutschland, da zur Einschätzung gelangen konnte: “These are once again excellent results for Sky Deutschland”. Damit diese frohe Botschaft trotz der hohen Verluste überzeugend bei den Analysten und Aktionären ankommt, hat sich allerdings Mr Sullivans Powerpoint-Truppe mit den Unterlagen der Q1-2012-Präsentation viel Mühe gegeben. Werfen Sie mal einen Blick auf die Folie “Revenues” (Umsatzerlöse).

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Zu sehen ist die Entwicklung der Sky D-Umsatzerlöse im jeweils ersten Vierteljahr von 2008 bis 2012. Von Q1-2011 (269,3) nach Q1-2012 (318,4) gab’s ein schönes Umsatzwachstum von 18 Prozent. Vergleicht man den Start ins Jahr 2012 mit dem vor vier Jahren, sind’s sogar fast 38 Prozent Zuwachs. Gar nicht schlecht. Den Diagramm-Monteuren von Sky war das scheinbar dennoch zu mickrig. Sie schnitten aus der unsichtbaren Größenachse (Y-Achse) kurzerhand 150 Mio Euro heraus, um der Säulenreihe den richtigen Pepp zu verpassen. So ist die Säule unter 318,4 doppelt so hoch wie diejenige unter 231. Dieser Trick mit der abgeschnittenen Ordinate lässt den Aufwärtstrend viel rasanter erscheinen, als dies durch die nackten Zahlen gestützt wird.

Rolf Hichert, dessen Unternehmen Hichert+Partner auf die Vermittlung von Managementinformationen spezialisiert ist, bezeichnet Folien wie die mit den Sky Deutschland-Umsätzen griffig als Lügendiagramme. Auf Hicherts Internetseiten finden sich in verschiedenen “Schreckenskellern” zahlreiche Beispiele verknorzter Diagramme. Ein Besuch lohnt sich.

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Bei Sky hat das Folien-Tuning Methode. Geht’s um positives Wachstum, wird von den Y-Achsen gerne ein Stückchen weglassen. Zum Beispiel auch auf der Folie mit der wichtigen Kenngröße ARPU (= Average Revenue per User), dem durchschnittlichen monatlichen Umsatzerlös pro Abonnent (Folie 12). Die letzten Zweifel beseitigt ein Blick auf Folie 13 in der Präsentation des Pay TV-Senders. Da geht’s um die Kostenentwicklung. Von Q1-2008 nach Q1-2012 stiegen die Kosten von 228,1 auf 359 Millionen Euro (+57%). Aus naheliegenden Gründen haben die Foliendesigner hier auf den “Wir-schneiden-150-Mio-Euro-aus-der-Y-Achse”-Trick verzichtet, der bei der Revenues-Folie zum Einsatz kam. Und damit wirklich niemand angesichts des hässlichen Kostenanstiegs erschrickt, ist die Säule für 359 Mio. Euro Kosten auf Folie 13 auch viel kleiner als diejenige für 318,4 Mio. Euro Erlöse auf Folie 4.

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Zwischenfazit: Ergänzend zur Redewendung “Trau’ keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!” empfehle ich: Trau keinem Diagramm, das Du nicht selbst frisiert hast!

Sucht man in der Sky-Berichterstattung nach einer Kennzahl für den betrieblichen Erfolg, findet man an einigen Stellen die Kennzahl EBITDA. Diese Abkürzung steht für Earnings before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization und bedeutet Gewinn ohne Berücksichtigung von Zinsen (Finanzierungsaufwand), Steuern und Abschreibungen. Klingt kompliziert und erweckt den Anschein, als hätten BWL-Experten lange darüber nachgedacht, wie man operative Unternehmenserfolge präzise messen kann. In der Regel geht es Unternehmen, die ihr EBITDA in den Vordergrund rücken, aber schlicht um Schönfärberei.

EBITDA zählt zu den sogenannten Proforma-Kennzahlen. Für ihre Ermittlung gibt es keine harten Standards. Unternehmen können Proforma-Größen neben den klar definierten bilanziellen Ergebnisgrößen in ihr Investor Relations-Reporting einbauen, z. B. in eine chice Präsentation à la Sky. Bei der Berechnung des EBITDA werden nicht nur der Zinsaufwand und die Steuerbelastung ausgeblendet, sondern auch die ergebnisbelastenden Abschreibungen.

Unternehmen mit Sympathie für’s EBITDA liefern gerne folgende Begründung für die Verwendung der Kennzahl: So würde die Entwicklung der operativen Geschäftstätigkeit deutlich, “bevor sich Vorleistungen für die Erschließung neuer Geschäftsbereiche und Märkte, denen noch keine relevanten Erträge gegenüber stehen, auswirken” (Dt. Telekom, zitiert nach Rieg 2010). Auch solche Investitionen in frühen Marktphasen gehören allerdings zur betrieblichen Tätigkeit, oder? Außerdem stellt sich dann die Frage, warum gleich sämtliche Abschreibungen bei der EBITDA-Ergebnisermittlung unberücksichtigt bleiben. Z. B. auch diejenigen auf solche Sachanlagen, die man im Zuge von Ersatz- und Modernisierungsinvestitionen in Betrieb genommen hat.

Für die Telekommunikationsbranche hat der Aalener Controlling-Professor Robert Rieg die EBITDA-Problematik so beschrieben:
“[...] Abschreibungen [sind] für ein Unternehmen in der Telekommunikationsbranche nicht vernachlässigbar, und sie sind auch nicht nur Vorleistungen, die noch nicht zu Umsatzerlösen führen. Vielmehr sind sie Folge des Kerngeschäfts und der Unternehmensstrategie, namentlich der Bereitstellung einer sehr teuren Netz-Infrastruktur sowie der Akquisition von Unternehmen und immateriellen Vermögenswerten. Sie repräsentieren üblicherweise alle abzuschreibenden Vermögensgegenstände [...]. Ein Ergebnis ohne Abschreibungen wie EBITDA redet diese Bedeutung klein. Der Grund hierfür könnte darin liegen: Solche Abschreibungen belasten ein Telekommunikationsunternehmen erheblich, und zwar besonders dann, wenn sich die dahinterliegende Investition nicht gerechnet hat.”
Rieg 2010, S. 252 f.

Noch deutlicher brachte ein anderer Finanzexperte seine Vorbehalte gegen das EBITDA schon 2002 nach dem Platzen der Dotcom-Blase auf den Punkt:
“Wer [...] EBITDA zum Maßstab seiner Börsenbewertung machen will, tut dies häufig nur deshalb, weil unter dem Strich nach Abzug von AfA [Abschreibungen], Zinsen und Steuern wenig oder nichts übrig geblieben ist, was er vorweisen könnte.”
Zimmerer 2002.

Weiterhin lesenswert finde ich in diesem Zusammenhang einen Diskussionsbeitrag des St. Gallener Professor Fredmund Malik. Scherzhaft schlug er für ambitionierte Bilanzfrisöre die Kennzahl Earnings before Anything (EBA) vor. Das wäre bei Sky Deutschland übrigens schon heute positiv.

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Hoffnungen auf rosigere Zeiten macht sich das Sky-Management unter anderem aufgrund des Erfolgs bei der Vergabe der Bundesliga-Senderechte für 2013 bis 2017 und der Verpflichtung von Harald Schmidt als Late-Night-Talker. Um sich gegen die Deutsche Telekom weiterhin die Live-Übertragungsrechte für die Bundesliga zu sichern, muss Sky freilich viel tiefer in die Tasche greifen als bisher. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) bekommt vom Murdoch-Sender in Zukunft 485,7 Millionen Euro jährlich statt bisher 250 Millionen. Dafür darf Sky nicht nur – wie bisher – im Fernsehen live berichten, sondern auch via IPTV, Web-TV und mobile Endgeräte. Doch 236 Millionen Euro zusätzliche Fixkosten sind kein Pappenstiel. Die ca. 10 Mio Euro für Harald Schmidt fallen vor dieser Kulisse fast nicht mehr auf.

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Bei einem Fixkostenblock in spe von ca. 1,3 Mrd Euro jährlich und einem geschätzten Deckungsbeitrag pro Abonnent von 300 Euro, bräuchte Sky Deutschland für ein ausgeglichenes Betriebsergebnis 4,3 Millionen zahlende Nutzer. Ende März 2012 waren es erst 3,1 Millionen. Ein solch schwungvoller Kundenzuwachs innerhalb weniger Jahre scheint mir wenig realistisch. CEO Sullivan und sein Team werden deshalb versuchen, den Deckungsbeitrag (Erlös durch Abogebühren – variable Kosten) zu verbessern. Im Klartext: Sky muss spürbar höhere Nutzungsentgelte durchsetzen.

In der Realität, nicht nur in Powerpoint.

* Die drei Begriffe Betriebsergebnis, operatives Ergebnis und EBIT (Earnings before Interest and Taxes) verwende ich synonym.

Literatur:

  • Rieg, R.: Proforma-Kennzahlen – kein Ende der EBITANEI in Sicht? in: BC Zeitschrift für Bilanzierung, Rechnungswesen und Controlling 34 (2010) 6, S. 252-254
  • Zimmerer, X.: Bilanzen – Sinn oder Unsinn von EBIT/EBITA und EBITDA, in: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen (2002) 12, S. 571

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Power-Pointen

Steffen Wettengl | 05.03.2012 | Allgemein, TIM 4 Kommentare
Death by Presentation (von HikingArtist.com auf flickr) • Zum Vergrößern anklicken

»Death by PowerPoint« is a criticism of slide-based presentations referring to a state of boredom and fatigue induced by information overload during presentations such as those created by the Microsoft application PowerPoint.”
Eintrag in der englischen Wikipedia, hier abgerufen am 4. März 2012

Bald beginnt das neue Semester. Wie schon in den 18 Studienhalbjahren zuvor werde ich wieder zahlreiche PPT-Dateien anklicken und meine Vorlesungen zu großen Teilen als PowerPoint-gestützte Präsentationen gestalten. Natürlich wünsche ich mir so wenige Fälle von Death by PowerPoint bzw. Death by Presentation wie möglich. Toi toi toi.

Zur Einstimmung und Prophylaxe geht’s in diesem Posting um ein paar − weitgehend − spaßige Seiten der allgegenwärtigen PowerPoint-Manie und ein wenig Technikgeschichte.

Zu einer gescheiten Präsentation gehören − ganz klar − Diagramme, also grafische Darstellungen von Daten. Z. B. in Form von Säulen, Balken oder Kreissegmenten. Vom US-amerikanischen Statistiker Edward R. Tufte stammt der “schöne” Begriff Chartjunk. Schon 1983, im Jahre 4 vor PowerPoint, warnte Tufte:

“Chartjunk can turn bores into disasters, but it can never rescue a thin data set. The best designs … are intriguing and curiosity-provoking, drawing the viewer into the wonder of the data, sometimes by narrative power, sometimes by immense detail, and sometimes by elegant presentation of simple but interesting data.”
Tufte, E. R.: The Visual Display of Quantitative Information, Cheshire 1983, S. 121, zitiert nach: Few, S.: The Chartjunk Debate, Paper 2011, hier online

Vor diesem Hintergrund kann ich die ca. 200 Diagramme von Katja Berlin und O. Kuhn in dem Büchlein “Was wir tun, wenn der Aufzug nicht kommt” (München 2011) nur wärmstens empfehlen. Inhaltlich verblüffend und elegant einfach in der − logo, querformatigen − Darstellung erfährt man etwas über die zentralen Probleme von Adligen, die Beliebtheit verschiedener Essensbeilagen bei Männern und Motive für’s Aufräumen der eigenen Wohnung. Der Heyne-Verlag hat eine Leseprobe ins Internet gestellt. Die beiden Autoren betreiben auch einen Blog, in dem ständig neue Grafiken veröffentlicht werden, die überwiegend lustig die Welt erklären.

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Eine wesentlich dramatischere Bedeutung als im Hochschul- und Firmenalltag bekommt »Death by PowerPoint«, wenn es um militärische Aspekte geht. Im April 2010 erschien in der New York Times der Artikel “We Have Met the Enemy and He Is PowerPoint” (Wir sind auf den Feind gestoßen. Es ist PowerPoint) von Elisabeth Bumiller. Ginge es darin nicht um tödliche Konflikte in Afghanistan und dem Irak, könnte man angesichts der Beschreibungen lauthals lachen. Junge Offiziere sind häufig mehr “PowerPoint Rangers” als Anführer ihrer Soldaten. Auf die Frage nach seiner Hauptbeschäftigung im Irak antwortete 2009 ein Army-Leutnant: “Making PowerPoint slides”. Autsch!

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Zu einiger Berühmtheit hat es in den letzten zwei Jahren eine Grafik gebracht, in der wesentliche Einflussfaktoren auf die Stabilität Afghanistans im Gesamtzusammenhang dargestellt werden. Das Bild sieht aus wie eine Schüssel voller Spaghetti. Der offenbar PowerPoint-kritische General McChrystal meinte damals, der Afghanistan-Krieg sei dann gewonnen, wenn man dieses Schaubild verstanden hätte. Aus dem NYT-Artikel stammt auch dieses treffende Fazit eines anderen US-Generals:

“It’s [PowerPoint is] dangerous because it can create the illusion of understanding and the illusion of control. [But] Some problems in the world are not bullet-izable.”

Wie und wann hat der globale Siegeszug der PowerPoint-Software eigentlich begonnen? Dies lässt sich sehr gut in einem Artikel nachlesen, der 2001 im Magazin “The New Yorker” erschien. Darin werden auch die Rahmenbedingungen deutlich, innerhalb derer das Präsentationsprogramm in den 1980er Jahren entstand. Weil sich viele Branchen von Verkäufer- zu Käufermärkten gewandelt hatten, nahm innerhalb der Unternehmen die abteilungsübergreifende Kommunikation zu:

“As Jerry Porras, a professor of organizational behavior and change at Stanford Graduate School of Business, says, »When technologists no longer just drove the product out but the customer sucked it out, then you had to know what the customer wanted, and that meant a lot more interaction inside the company.« There are new conversations: Can we make this? How do we sell this if we make it? Can we do it in blue?
America began to go to more meetings. By the early nineteen-eighties, when the story of PowerPoint starts, employees had to find ways to talk to colleagues from other departments, colleagues who spoke a different language, [...].”
Ian Parker: Absolute Powerpoint (2001)

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Technologien für den Bedarf nach visuellen Hilfsmitteln (“Visual Aid”) in Unternehmen waren in der Vor-PowerPoint-Ära die Dia- und dann die Overhead-Projektion. Business-Grafiken auf 35mm-Dias zu übertragen war allerdings eine kostspielige Aufgabe für Spezialisten. Nachdem Mitte der 1970er Jahre hitzebeständige Folien erhältlich wurden, die in Kopiergeräten verwendet werden konnten, wurden Overhead-Projektoren populär. Papiervorlagen konnten nun mit vertretbarem Aufwand in Overhead-Folien umgewandelt werden. Die Vorlagen für die “Slides” entstanden in der Regel auf den Schreibmaschinen von Sekretärinnen. Von der anderen Seite des Chef-Schreibtischs betrachtet, galt aber weiterhin: “A businessman couldn’t generate a handsome, professional-looking font in his own office” (Parker: Absolute Powerpoint).

In einem Vorschlag für die Entwicklung einer neuen computergestützten Lösung wurde der − vermutlich amerikanische − Markt für “Business Presentations” auf stattliche 3,5 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr 1982 geschätzt (520 Millionen 35mm-Dias, 380 Millionen Overhead-Folien). Diese Skizze eines Business-Plans vom 14. August 1984 stammte von Robert Gaskins und war an die Softwarefirma Forethought gerichtet. In der PPT-Historie gilt das 1½-seitige Dokument als die Geburtsurkunde des Programms. Aus Innovationssicht (innovation = invention + commercialization) markiert daneben der April 1987 einen weiteren Meilenstein. Da begann die Vermarktung von PowerPoint 1.0.

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Bob Gaskins hat in seinem “Product Proposal” auch die Vorteile des damals neuen Programms zusammengefasst. Natürlich in Form einer Spiegelstrich-Aufzählung:

“User Benefits:
–– Improves effectiveness of presentation content
–– Improves clarity of complex material
–– Reduces time to prepare presentations (dramatically)
–– Facilitates correct last-minute changes and revisions
–– Allows compliance with company presentation standards
–– Provides communication of high-quality presentations
–– Reduces cost of presentations (dramatically)
–– Allows the content-originator to control the presentation

Besonders in der Einfachheit, mit der heutzutage jeder eine Präsentationsdatei erstellen kann, liegt auch ein Problem. Im April 2001 schuf Angela R. Garber den Begriff “Death By PowerPoint” und schrieb: “Programs like PowerPoint make it incredibly easy to create presentations. But they don’t help taylor them to particular audiences.” So muss ich mich wohl auch weiterhin selbst anstrengen, damit in den Vorlesungen niemand einschläft.

Bevor ich mich an dieser Stelle floskelhaft für die Aufmerksamkeit bedanke, lieber Leser, schicke ich Sie lieber zu zwei meiner Favoriten aus dem unendlichen Fundus von PowerPoint-Cartoons:

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Der Bursche mit dem Mikro in der Hand heißt Don McMillan. Er hat zwar einen Masterabschluss in Elektrotechnik von der renommierten Stanford University, aber inzwischen verdient er sein Geld nicht mehr wie Anfang der 80er Jahre als Computerchip-Designer, sondern als sogenannter Corporate Comedian. Sein humoristisches Spezialgebiet sind also die skurrilen Seiten des Büroalltags. Besonders gut kennt sich Don mit den Abgründen des täglichen Powerpoint-Wahnsinns aus. Auf seiner Internetseite “Technically Funny” findet man zahlreiche Videoclips und Blogeinträge zum Mitlachen und kann dabei gleich noch seine Englischkenntnisse verfeinern.

Zu meinen persönlichen Favoriten zählen:

  • “Life after Death by Powerpoint”-Videoclip. “Powerpoint can just suck the life out of you”, wie Don treffend feststellt. Und das gilt nicht nur für das Publikum, sondern auch den Powerpoint-Nutzer, der Stunden seines Lebens mit der Auswahl (vermeintlich) geeigneter Animationseffekte und passender Schriftarten vergeuden kann. Welche Farbkombinationen wirken auf dem Beamerbild so richtig scheußlich? Woher kommt der Begriff Bullet Point? Und wie lässt sich ein ohnehin schon hässliches Säulendiagramm noch weiter verunstalten? Die Antworten finden Sie im Original-Video, aber auch einer längeren 2010er-Version auf der Seite www.technicallyfunny.com/videos.htm.
  • “Powerpoint Kills”. Das vermuteten 2003 schon die Mitglieder des Untersuchungsausschusses, der sich mit dem Explosion der NASA-Raumfähre Columbia beschäftigte. Don McMillan hat für die These auch schlagende statistische Beweise. Zwischen 2003 und 2010 stiegen weltweit sowohl die Zahl der täglichen Powerpoint-Präsentationen als auch die Zahl der hungernden Kinder um jeweils den Faktor 3,5 – Korrelationsfaktor 1.
    O-Ton McMillan: “PowerPoint abuse causes world hunger. For every unnecessary, painfully boring, repetitive PowerPoint presentation we are forced to sit through – another child goes hungry. Why? Maybe because parents are TOO busy making new PowerPoint slides to feed their children! Or parents are tweaking their animations for the 36th time! Or adjusting their FONTS! Or adding 6 more bullet-points! All while their hungry child sit by waiting for Mommy or Daddy to walk away from the computer and feed them. STOP PowerPoint abuse NOW. STOP world hunger NOW. It’s not for us – it’s for the children”. Hier geht’s zu den Blogeinträgen auf technicallyfunny.com.
  • “The New Office Math”-Präsentation. Don McMillan beherrscht die Grundrechenarten in Management-Mathe und erläutert sie anhand von einfachen Beispielen.
    Engineer + Social Skills = ?
    Pharmaceutical Salesman – Suit = ?
    Manager – Sense of Humor = ?
    Hier erfahren Sie die Lösungen.

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Herzlichen Glückwunsch: Der FC Bayern München ist Deutscher Fußballmeister 2009/10. Allerdings war das der Verein auch schon 21 Mal vorher. Keine wirklich herausragende Nachricht also. Doch machen Trainer Louis van Gaal und Mannschaftskapitän Mark van Bommel mit zwei weiteren Auszeichnungen ein eindrucksvolles Triple perfekt (schon vor den Endspielen in Champions League und Dt. Pokal):

Louis van Gaal (linkes Bild) erreichte bei der Wahl zum “Sprachwahrer des Jahres” 2009 den dritten Platz. Wohlgemerkt, es ging um die Wahrung der deutschen, nicht der niederländischen Sprache. Er ließ in der Publikumsgunst sogar “Tokio Hotel” hinter sich, obwohl die vermutlich noch fanatischere Fans haben als der FC Bayern. Van Gaal betätigte sich als Wortschöpfer und erfand das Verb “fußballen” (“Wir haben diszipliniert gefußballt”). Auf die Frage eines deutschen Journalisten, ob er ein Interview auf englisch oder spanisch führen wolle (tolle Frage!) antwortete der holländische Erfolgstrainer: “In welchem Land befinden wir uns gerade, was denken Sie?” – Das Gespräch fand auf deutsch statt (hier geht’s zur Seite “Sprachwahrer” der “Deutschen Sprachwelt” mit mehr Informationen). Ich bin übrigens kein Sprachtaliban. An van Gaal gefällt mir, dass er sich am Ort seiner Berufstätigkeit auf die dortige Kultur einlässt. Mit Begriffen wie Prallkissen, Denkrunde und Klapprechner etablierte Anglizismen zu bekämpfen (lesen Sie hier welche), ist für mich Quatsch von vorgestern.

Mark van Bommel (in der Mitte) hat den Sprachenpreis 2010 der Vrijen Universiteit Amsterdam für seine klare Sprache gewonnen. Anhand von jeweils mindestens drei Fernsehinterviews wurden die Sprechgewohnheiten von 26 niederländischen Nationalspielern untersucht. Die Sprachwissenschaftler meinten, van Bommels Argumentationen seien am besten gewesen. Er spreche bewusst mit dem Publikum. Van Bommel benutze kaum typische Fußball-Floskeln und könne Spiele verständlich analysieren. Bei der Beurteilung waren Sprechtempo, Betonung, Verständlichkeit und Argumentation wichtig. Die Forscher begutachteten auch ein unterhaltsames Interview mit van Bommel aus dem “Aktuellen Sportstudio” (hier auf Youtube).

Der Sprachtrainer Markus Reiter hält eine klare und verständliche Ausdrucksweise für einen maßgeblichen Karrierefaktor. Einige seiner Beispiele sind 2007 im sehr lesenswerten Artikel “Jetzt mal Klartext” im Manager Magazin erschienen (hier online als pdf-Datei verfügbar). Reiters Buch “Klardeutsch” gibt’s übrigens auch in der Bibliothek der Hochschule Ulm (Signatur 159.946.3 Rei). Ich finde aber, der MM-Artikel reicht, um die Kernaussage zu verstehen, dass Phrasendeutsch (auch in Abschlussarbeiten) Zuhörer bzw. Leser nervt und den Schwaflern in puncto Karriere wenig nutzt.

PS. Ganz eindeutig ist der Zusammenhang zwischen klarer Sprache und sportlichem Erfolg von Fußballtrainern nicht. Felix Magath (rechtes Bild): “Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.”

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