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Tag: Standortwettbewerb
Made in Germany: Links eine Solarfolie von Heliatek – Rechts eine Kaplan-Turbine von Voith (Fotos: Heliatek, Voith)

Am Dienstag, den 11. Juni 2013 kommen Dr. Roland Münch, Mitglied der Voith-Konzerngeschäftsführung, und Dr. Martin Pfeiffer, Chief Technology Officer der Heliatek GmbH, an die Hochschule Ulm. Sie halten jeweils einen Kurzvortrag, und anschließend gibt es Gelegenheit zur Diskussion zum Thema:

Unternehmerischer Erfolg mit Technologien
für die Energiewende Geht das?

Beginn: 17.45 Uhr, Ort: Aula der Hochschule Ulm, Prittwitzstraße 10.

Die Veranstaltung ist öffentlich. Die Teilnahme ist kostenfrei. Nicht nur Studierende und Mitarbeiter der Hochschule Ulm sind also herzlich eingeladen.

Hilfreiche Informationen (z. B. zu den Parkmöglichkeiten) finden Sie in einem 4-seitigen pdf-Dokument (erster Link). Außerdem können Sie das querformatige Plakat gerne nutzen, um Kollegen und Bekannte auf den Vortrag aufmerksam zu machen (zweiter Link).

Dr. rer. nat. Martin Pfeiffer studierte von 1988 bis 1995 Physik an der Universität Tübingen und der Technischen Universität Dresden. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre folgte die Promotion am Institut für Angewandte Photophysik der TU Dresden. Von 2000 bis 2005 leitete Dr. Pfeiffer dort die Gruppe „Organische Optoelektronik“ zur Erforschung grundlegender Halbleitereigenschaften dotierter organischer Schichten. Im Juni 2006 war er einer der sechs Gründer der Heliatek GmbH. Als deren Technischer Geschäftsführer (Chief Technology Officer, CTO) ist er unter anderem für die F+E-Arbeiten an den Standorten Dresden (Physik und Bauelemententwicklung) und Ulm (Chemieentwicklung) verantwortlich. Zusammen mit Prof. Dr. Karl Leo und Dr. Jan Blochwitz-Nimoth gewann Dr. Pfeiffer 2011 den mit 250.000 Euro dotierten Deutschen Zukunftspreis.

Dr. Martin Pfeiffer war 2006 einer der Gründer der Heliatek GmbH. Als deren Chief Technology Officer leitet er die F+E-Aktivitäten. 2011 gewannen er, Karl Leo und Jan Blochwitz-Nimoth den Deutschen Zukunftspreis.


(Foto: Deutscher Zukunftspreis)

Die Heliatek GmbH wurde 2006 als gemeinsame Ausgründung der TU Dresden und der Universität Ulm gegründet. Zu den Industriepartnern und Investoren zählen Bosch und BASF. Heliatek zählt zu den Technologieführern im Bereich der organischen Photovoltaik (OPV). Aktuell vollzieht das Unternehmen den Wandel von der reinen Technologieentwicklung hin zur industriellen Produktion. Mitte 2012 wurde am Heliatek-Standort Dresden die erste Anlage für die Produktion flexibler OPV-Folien in Betrieb genommen.

Die Solarfolien können in Anwendungsfeldern eingesetzt werden, die mit traditioneller Photovoltaik bisher nicht möglich waren. Aufgrund ihres niedrigen Gewichts und der möglichen Transparenz können die Folien z. B. in Baumaterialien, Autodächer oder Stadtmöblierung integriert werden. Im Januar 2013 meldete Heliatek einen neuen Weltrekord für organische Solarzellen: 12 Prozent Zelleffizienz. Mehr über Heliatek erfährt man auf den Internetseiten des jungen Unternehmens. Auch die Seiten zum Deutschen Zukunftspreis 2011 sind sehr ergiebig.

Nach seinem Studium der Elektrotechnik an der Universität Fridericiana in Karlsruhe war Dr. Roland Münch als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Allgemeine Elektrotechnik und Hochspannungstechnik der RWTH Aachen tätig. Hier promovierte er 1990. Ab 1991 war Dr. Münch Entwicklungsingenieur im ABB-Konzern. 1998 wurde er Vorstandssprecher der ABB Calor Emag Schaltanlagen AG, Mannheim, 1999 CEO und Country Manager von ABB Malaysia. 2002 wechselte Dr. Münch zum Voith-Konzern in Heidenheim. Im Oktober 2002 übernahm er die Leitung des Geschäftsbereichs Voith Paper Automation. Seit 2006 ist er Mitglied der Konzerngeschäftsführung und führt seit 2008 den Konzernbereich Voith Hydro.

Dr. Roland Münch ist seit 2006 Mitglied der Voith-Konzerngeschäftsführung. Seit 2008 führt er den Konzernbereich Voith Hydro.


(Foto: International Hydropower Association/Voith GmbH)

Die ca. 42.300 Mitarbeiter des Voith-Konzerns (Sitz in Heidenheim an der Brenz) erwirtschafteten 2011/12 5,7 Mrd. Euro Umsatz. Damit zählt das schwäbische Familienunternehmen zu den großen Firmen im deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Wer auf der Voith-Homepage startet, findet dort reichlich Informationen über den Konzern, seine Geschäftbereiche, Produkte und Märkte.

Voith Hydro ist einer der führenden Anbieter von Anlagen und Dienstleistungen im Bereich der Wasserkraft. Große und kleine Wasserkraftwerke sowie Pumpspeicherkraftwerke bilden den Kern des Angebotsspektrums. Daneben entwickelt Voith Hydro im Bereich der Meeresenergien innovative Technologien zur Nutzung von Gezeitenströmungen und Wellen zur Stromerzeugung. Im letzten Geschäftsjahr (2011/12) stiegen die Umsatzerlöse von Voith Hydro auf 1,3 Mrd. Euro. Der Geschäftsbereich hat rund 5.000 Mitarbeiter.

Wer schon im Voraus etwas tiefer einsteigen möchte, kann hier nachlesen, welche zentrale Bedeutung die Wasserkraft im globalen Energiemix der Zukunft hat. Im Voith-Magazin “HyPower” 1/2012 gibt’s ein zweiseitiges Interview mit Dr. Münch unter der Überschrift “Developing Future Prospects”:

Anmerkung zu den Textquellen: Die Informationen über Dr. Pfeiffer, Dr. Münch, Heliatek und Voith sind größtenteils den Internetseiten der beiden Unternehmen sowie denjenigen zum Dt. Zukunftspreis entnommen.

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Offshoring from China

Steffen Wettengl | 06.02.2012 | Allgemein, BWL, RaKo 6 Kommentare
Steiff-Teddybär auf der Rückreise (Foto: heavensentgifts.uk.com) •
Blick in eine Stofftierfabrik in Nanjing, China (Foto: weltumspannend arbeiten) •
zum Vergrößern anklicken

Nein, dieser Blog wurde (noch) nicht auf Englisch oder Denglisch umgestellt, auch wenn die Überschrift das vermuten lässt. Inhaltlich geht es in diesem Beitrag um Standortentscheidungen. Nebenbei gibt’s aber auch zwei Hinweise, wie man mit Hilfe von Podcasts seine Englischkenntnisse verfeinern kann.

Die Financial Times Deutschland (FTD) bietet online die Podcast-Reihe “Business English” an. Das Schöne an diesem Angebot: Es gibt kleine Vokabelhilfen, und man kann parallel zum Hören auch die jeweiligen Texte lesen.

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Vor wenigen Wochen erschien ein Artikel über den aktuellen Trend, dass chinesische Unternehmen die Produktion arbeitsintensiver Produkte zunehmend in Länder mit noch niedrigeren Arbeitskosten verlagern. In den vergangenen zehn Jahren fanden zahlreiche Standortverlagerungen – auch aus Deutschland – nach China statt. In den frühen “00er-Jahren” machte sich für diese Bewegung in Richtung günstigerer, häufig (fern-)östlicher Standorte der Begriff Offshoring breit. Bislang profitierte China vom Offshoring-Trend. Angesichts rasant steigender Löhne und einer starken Landeswährung häufen sich nun aber die Fälle, in denen chinesische Firmen ihre Produktion ganz oder teilweise in Länder wie Vietnam und Bangladesch verschieben. Offshoring from China, sozusagen.

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Diesen Bericht über Herrn Liu und Herrn Hui zu hören bzw. zu lesen, war für mich ein regelrechtes Déjà-vu-Erlebnis (Déjà-vu, frz. „schon gesehen“ = psychologisches Phänomen, das sich in dem Gefühl äußert, eine neue Situation schon einmal erlebt, gesehen oder geträumt zu haben, → Wikipedia). Vor zehn Jahren waren ständig Herr Schrempp (Daimler) und Herr von Pierer (Siemens) in der Presse, die sich über den Standort Deutschland im Vergleich zu aufstrebenden Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien Gedanken machten.

Die Argumente sind die gleichen geblieben. Nur hat China im Wettbewerb mit Ländern wie Bangladesch die Rolle des schon etablierten Standorts inne. Auch durch heraufgesetzte Mindeslohngrenzen steigen in den kommenden Jahren in China die Löhne um fast 20 Prozent jährlich (Credit Suisse-Prognose für 2011 bis 2015). In Bangladesch liegen die Löhne bei 20 bis 30 Prozent des chinesischen Niveaus, und die Arbeitszeiten sind länger (48 vs. 40 Stunden). Obendrein winkt im früheren Ost-Pakistan eine Steuerbefreiung für zehn Jahre (“Steuerferien”). Die starken Argumente pro China sind dagegen: erfahrenere Arbeiter, höhere Produktivität, bessere Infrastruktur und leistungsfähigere Zuliefernetzwerke.

An dieser Stelle passt der Hinweis auf diese Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) zu Produktionsverlagerungen aus dem Jahr 2008.

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Die Karlsruher Forscher zeigten damals auf, weshalb Unternehmen bisweilen Offshoring-Projekte rückgängig machten (“Backshoring”). Im Zuge von Standortentscheidungen zwischen deutschen Werken und Alternativen im lohngünstigen Ausland kommt es oft zu diesen typischen Fehlern:

  • Die Bewertung wird zu sehr auf Kosten, vor allem auf Arbeitskosten, ausgerichtet.
    Dabei sind deutsche Firmen meist als Technologie- bzw. Qualitätsführer erfolgreich. Außerdem spielen in manchen Branchen die Lohnkosten nur eine untergeordnete Rolle.
  • Potenziale am bestehenden Standort werden zu wenig berücksichtigt.
    Wachsen Unternehmen kontinuierlich über Jahrzehnte, entstehen nicht selten ineffiziente “Anbaufabriken”. Ein Beispiel liefert das 1957 eröffnete Stammwerk Barsinghausen des Keks-Konzerns Bahlsen. Die Transportwege zwischen Teigmacherei, Produktion und Verpackung wurden dort immer umständlicher. 2008 wurde aber sinnvollerweise neben Verlagerungsmöglichkeiten auch eine grundlegende Modernisierung geprüft. Schließlich wurden 40 Millionen Euro in die Effizienzsteigerung in Barsinghausen investiert. Der Standort blieb erhalten.
  • Die Netzwerkkonsequenzen durch einen neuen Standort werden nur unvollständig erkannt.
    Industriebetriebe sind von Rohstoff- und Teilezulieferern, Anlagenbauern und Dienstleistern abhängig. Gibt es für den anvisierten neuen Standort ein ähnlich leistungsfähiges Lieferanten- und Partnernetzwerk wie bisher? In Äthiopien müsste Mister Leung den Arbeitern in seiner Damenschuh-Produktion zwar nur Geringstlöhne zahlen, heißt es im Podcast. Hersteller von Schuhsohlen und Verpackungsmaterial hat der Hongkong-Chinese in Addis Abeba allerdings nicht gefunden.
  • Weitere Fehlerquellen sind eine statische statt einer dynamischen Bewertung wichtiger Faktoren (Stichwort: Lohnsteigerungen) und zu optimistische Annahmen in Bezug auf die Anlaufzeit, die am neuen Standort zu durchlaufen ist, bis sich Prozesssicherheit, Qualität und Produktivität eingependelt haben.

Einige Backshoring-Beispiele liefert dieser Bericht des Manager Magazins (siehe unten). Darunter auch Steiff. Der schwäbische Plüschtierhersteller, zog angesichts massiver Qualitätsprobleme die Notbremse und fertigt nun wieder in Deutschland. Wie der Produzent mit Traditionsmarke und perfektionistischer Stammkundschaft überhaupt auf die China-(Schnaps-)Idee gekommen ist, bleibt im Dunkeln.

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Fazit: Standortentscheidungen – ob Deutschland vs. China oder China vs. Bangladesch − haben strategischen Charakter. Die Analyse relevanter Faktoren ist daher tiefgehend und zukunftsgerichtet zu gestalten.

Noch eine kurze Empfehlung zum Thema Podcasts auf Englisch. Mein derzeitiger Favorit ist die Reihe “6 Minute English” der BBC. Go for it, enjoy listening!

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Langhaarige Mindestlohn-Flüchtlinge

Steffen Wettengl | 09.11.2010 | BWL, RaKo 5 Kommentare
Auf dem Weg nach Peking – zum Haareschneiden

Anders als in zahlreichen europäischen Ländern gibt es in Deutschland keinen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn. Allerdings Festlegungen für bestimmte Branchen. So wurden im Frühjahr 2010 z. B. gesetzliche Mindestlöhne für Pflegekräfte (8,50 Euro pro Stunde) und Gebäudereiniger beschlossen (8,40 Euro pro Stunde). Ob eine allgemeine Lohnuntergrenze eingeführt werden sollte, ist weiterhin heftig umstritten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat dazu eine klare Meinung: Kein Lohn unter 8,50 Euro pro Stunde, heißt es auf mindestlohn.de. Dort bin ich unter /Material/Plakate auf das Plakatmotiv “Friseurbesuch” gestoßen. Beim “Frisieren” der langhaarigen Mindestlohn-Flüchtlinge wurden die Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung keineswegs voll ausgeschöpft. Dennoch finde ich das Plakat gelungen.

Die Botschaft wird mal nicht mit bärbeißiger Gewerkschafterrhetorik vorgetragen, sondern in Form einer humorvollen Persiflage vermittelt. Auch bei einem flächendeckenden Mindestlohn in Deutschland und dann spürbar höheren Preisen für Friseurdienste würde natürlich niemand einen halbstündigen Friseurbesuch ins Niedriglohnland China verlagern. Die DGB-Argumentation lautet verallgemeinert, dass sich mit einem allgemeinen Mindestlohn ohne unangenehme Nebenwirkungen mehrere wünschenswerte Ziele erreichen lassen: (1.) gerechtere bzw. faire Löhne für harte Arbeiten, aber auch (2.) eine durch höhere Löhne verstärkte private Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen (Wirtschaftswachstum). Außerdem lässt sich (3.) argumentieren, dass Mindestlöhne die Qualifikationsbereitschaft von Mitarbeitern fördern können.

Dennoch ist die Mehrheit der wirtschaftspolitischen Experten gegen einen gesetzlichen Mindestlohn. In einem Brief an die damalige schwarz-rote Bundesregierung warnten 2008 sieben von ihnen davor, allgemeinverbindlich oder für eine Vielzahl von Wirtschaftzweigen Mindestlöhne einzuführen. Der vollständige Brief mit der Überschrift “Beschäftigungschancen statt Mindestlohn!” kann auf dieser handelsblatt.com-Seite nachgelesen werden. Die wesentliche Argumentationslinie der sieben Wirtschaftsforscher lautet:

“Ein Viertel der privat Beschäftigten im Osten und etwa ein Zehntel im Westen verdienen weniger als diesen Betrag [2008 wurde über 7,50 Euro pro Stunde diskutiert]. Die notwendige Lohnerhöhung wird in erheblichem Umfang neue Arbeitslosigkeit erzeugen. Betroffen wäre dabei vor allem der Dienstleistungssektor. Auch wenn es den Unternehmen gelingt, die höheren Arbeitskosten großenteils auf die Preise zu überwälzen, hätte dies gravierende Auswirkungen, weil die Nachfrage bei steigenden Preisen sinkt. Häufig sind jedoch die Möglichkeiten begrenzt, erhöhte Arbeitskosten auf die Preise zu überwälzen. Dann werden die Unternehmen mit verstärkter Rationalisierung reagieren, also Arbeitskräfte durch Maschinen austauschen, oder mit der Verlagerung von Produktionsstätten, wenn die heimische Nachfrage nach den entsprechenden Gütern und Leistungen auch aus dem Ausland befriedigt werden kann, wo zu niedrigeren Löhnen produziert wird. Haushalte können zudem verteuerte Dienstleistungen durch Waren oder Schwarzarbeit ersetzen. So oder so – der Mindestlohn führt zu erheblichen Beschäftigungsverlusten.” (Blum et al.: Beschäftigungschancen statt Mindestlohn!, 2008, Hervorhebungen nicht im Original).

Als konkretes Beispiel für die negativen Wirkungen eines gesetzlichen Mindestlohns nennen die Mindestlohnskeptiker die hohe Arbeitslosigkeit bei jungen Franzosen. In Frankreich gibt es seit Jahrzehnten den SMIC (salaire minimum interprofessionnel de croissance = allgemeiner Mindestlohn). Anfang 2010 lag er bei 8,86 Euro pro Stunde (ausführlicher erklärt diese Seite der Französischen Botschaft den SMIC). Bei einfachen Tätigkeiten ist dieser Mindestlohn höher als die Produktivität der menschlichen Arbeitskraft. Für ein Unternehmen lohnt es sich unter diesen Bedingungen nicht, eine derartige Stelle einzurichten und zu besetzen. In Zahlen: Rund 20 Prozent der Franzosen zwischen 15 und 24 Jahren sind arbeitslos.

Noch einmal ein Blick auf das Friseurbeispiel und die DGB-Kampagne. Bei Frisierdienstleistungen muss sich der Kunde persönlich am Produktionsprozess beteiligen. Eine Verlagerung ins weit entfernte China ist deshalb auch bei einem deutlich steigenden Preisniveau in Deutschland nicht zu fürchten. Ob es in grenznahen Gebieten zu einem “Frisiertourismus” wie bei der Jagd nach billigem Sprit kommen könnte? Vielleicht, wenn die Preise für einen Damenhaarschnitt auf über 100 Euro ansteigen. Mit anderen Ausweichmanöver der Kunden wäre eher zu rechnen: weniger Besuche beim Friseur, mehr Do-it-yourself im Familienkreis und mehr Schwarzarbeit. Ob sich aber Friseure verstärkt durch Maschinen wie den Flowbee- oder den Robocut-Haarschneideautomaten ersetzen lassen, darf bezweifelt werden (siehe auch diesen spaßigen Blogeintrag auf riesenmaschine.de).

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“Steuerfreiheit für Ingenieure!”, lautete der innovative wirtschaftspolitische Vorschlag eines Teilnehmers der BWL-Vorlesung am Montag. Reflexartig denkt man daran, dass ein solche Begünstigung dem klassischen Grundsatz der Steuergerechtigkeit widerspricht. Dies bedeutet, dass sich Steuern z. B. an der Höhe des Einkommens, aber nicht am Geschlecht, dem Alter oder der Berufsausbildung eines Steuerzahlers orientieren sollen.

Der internationale Standortwettbewerb, in dem Länder um die Gunst von Investoren und hochqualifizierten Arbeitskräften konkurrieren, fördert aber Ausnahmen. Ende 2003 hat die damalige konservative spanische Regierung ein Gesetz verabschiedet, wonach ausländische Spitzenkräfte, die von spanischen Firmen verpflichtet werden, für einen Zeitraum von sechs Jahren einen Höchstsatz von 25 statt 43 Prozent auf ihr Einkommen zahlen. Das Gesetz wurde schnell “Beckham-Gesetz” genannt, weil es rückwirkend zum 1. Juli 2003 galt. Das war der erste Arbeitstag von Englands Star David Beckham bei Real Madrid nach dessen Wechsel von Manchester United. Trotz starker Proteste (“Wenn dieses Gesetz abgeschafft wird, hat das Einfluss auf das Interesse am Fußball. Es gäbe weniger TV-Zuschauer, weniger Sponsoren, weniger Fans in den Stadien und damit geringere Steuereinnahmen für den Staat”, so der Chef des spanischen Fußballverbandes) wurde das Gesetz inzwischen abgeschafft. Wer allerdings wie Cristiano Ronaldo bis 2009 nach Spanien wechselte, genießt Bestandsschutz und profitiert weiter vom “Ley Beckham” (Links zu Berichten auf sueddeutsche.de und handelsblatt.de).

In Tschechien erhielten Industrieunternehmen bei Investitionen bis vor kurzem das Privileg so genannter “Steuerferien”. Unternehmensgewinne wurden nicht versteuert. In den vergangenen Jahren hat dieses System geholfen, bedeutende Auslandsinvestoren nach Tschechien zu locken, Toyota und Peugeot/Citroen oder Bosch (Link zu mehr Informationen).

“Steuerfreiheit für Ingenieure!”, ist übrigens nicht der einzige steuerpolitische Vorschlag, der zunächst recht exotisch klingt. Lesen Sie hier mehr über die US-Amerikaner Mankiw und Weinzierl, die fordern, dass größere Menschen höhere Steuern zahlen sollen als kleine (Per Mertesacker also mehr als Philipp Lahm).

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